Freitag, 9. August 2013

Unser Monatstreff vom 07.08.2013



Keine Spur von legendärer Schweizer Besonnenheit und Zurückhaltung, der Hitze zum Trotz. Es geht lebhaft zu und her im Gartenrestaurant vor dem "U Třech Modrých Koulí". Hitzig sind auch die Debatten. Hände werden verworfen, manche fächern sich mit der Speisekarte kühle Luft zu, dritte verschieben Stühle, damit auch sie Platz finden an den zusammengerückten Tischchen. 

Es sind verschiedene Themen, die an diesem August-Treffen des Swiss Club CZ zu reden geben. Zum Beispiel jenes, dass wir eigentlich gar kein Verein sind. Peter hat recherchiert und dabei erfahren, dass die Rechtsform des Vereins in der Tschechischen Republik nicht existiere. Laut seiner Quelle sind somit die Mitglieder mit ihrem Privatvermögen haftbar, wenn an einem Anlass, den der Swiss Club organisiert, jemand oder etwas zu Schaden kommt (Anm. der Redaktion: Der SwissClub CZ ist rechtlich korrekt gemäss ASO (Auslandschweizer Organisation) Richtlinien gegründet worden und diese Behauptung von Peter hat keine gültige rechtliche Grundlage, ist daher nichtig). Es bleibe somit eigentlich nur noch der Weg über eine „Občanské sdružení“, eine Organisationsform ähnlich einem Verein, nur dass er vom tschechischen Innenministerium bewilligt werden muss.  Auch über weitere Punkte, die zuvor im Bauch des Restaurants angerissen wurden, wird diskutiert ....



  


Um 18.00 trafen die ersten Teilnehmenden im Kellerlokal ein, die weiteren erschienen nach und nach, bis schliesslich 15 Menschen den kleinen Raum bevölkerten und sich, eng zusammengerückt, noch etwas wärmer gaben. Vor dem Essen wandte sich Präsident Georg an die Anwesenden.



Er hielt kurz Rückschau auf die 1.-August-Feier der Schweizer Botschaft, die allen in bester Erinnerung blieb, genau so wie das Petanque-Tournier vom 26. Juli. Daraufhin teilte er mit, die ASO (Auslandschweizer-Organisation) habe die Statuten des Swiss Clubs CZ akzeptiert. Georg wird kommende Woche am Auslandschweizer-Kongress in Davos teilnehmen. Eine betrübliche Nachricht musste er auch verkünden: Helmut schliesst per Ende September das "U Třech Modrých Koulí", aus gesundheitlichen Gründen. Es ist aber durchaus möglich, dass er später in anderer Lage wieder ein Restaurant führen wird. Für Ersatz ist aber gesorgt. Künftig finden die Monatstreffen im 2. Stock des Restaurants „Adria“ am Jungmannovo Namesti statt, erstmals am 2. Oktober 2013. Details werden noch auf die Homepage des Swiss Clubs aufgeschaltet. Anschliessend an die souverän vorgetragene Mitteilungen übergab Georg das Wort an Peter, der dann die eingangs erwähnte Bombe platzen liess.




Bereits während des Nachtessens wurde heftig darüber diskutiert, wie jetzt weiter zu verfahren sei. Georg wird sich mit einem Anwalt in Verbindung setzen, die rechtliche Lage bezüglich des Vereins prüfen lassen und gegebenenfalls die erforderlichen Schritte einleiten.

Gegen neun Uhr waren alle Teilnehmenden aus dem Keller herausgestiegen und die Gartenszene begann.



 

Noch bis nach 22 Uhr sassen einige zusammen. Peter, Paul, Verena und Eva lieferten sich einen heftigen politischen Schlagabtausch, Schweizer Politik, versteht sich, während Lorella, Georg, Helmut und Vera etwas entnervt zuhörten und sich Sorgen über die Lautstärke machten. Schliesslich war das Gartenrestaurant bis auf den letzten Platz mit anderen Gästen besetzt.




Als Helmut verkündete, er gehe jetzt heim, weil er am nächsten Tag früh für ein paar Stunden in die Schweiz fliegen müsse, löste sich auch der harte Kern der Gruppe auf und verschwand in der Dunkelheit.

Geschrieben von
Eva Venegoni


Weitere Fotos sind in unserer Fotogalerie

Mittwoch, 7. August 2013

1. August Feier 2013 in Prag

Wohl habe ich in der Vergangenheit auch schon unseren Nationalfeiertag im Ausland gefeiert, doch dieses Mal war es das erste Mal an einem offiziellen 1. August-Fest im Ausland. Als derzeitiger Volontär der hiesigen Schweizer Botschaft durfte ich nicht bloss am Festakt selber teilnehmen, sondern mich auch an deren Vorbereitungen beteiligen. Von dieser für mich besonderen Feier möchte ich auf den folgenden Zeilen berichten.

Dass ein gelungener Anlass etwas Vorlauf benötigt versteht sich von selbst. Schliesslich fliessen Erfahrungen aus vergangenen Jahren oder auch veränderte Umstände ein. Wann genau der Startschuss für die Vorbereitungen fiel habe ich gar nicht genau mitbekommen, was ich ausdrücklich als Kompliment an die Mitglieder des OK verstanden wissen möchte. Wie vergangenes Jahr wurde der Žofín Garten als Austragungsort gewählt. 

Bald erfuhr ich, wie man sich um die Finanzierung der 1. August-Feierlichkeiten kümmerte und neue wie alte Sponsoren anschrieb. In Gesprächen mit dem OK wurde mir klar, wie viel ein solcher Anlass kostet und was für Anstrengungen unternommen werden, um die Eintrittspreise in einem vernünftigen Rahmen zu belassen. Während die Sponsorenzusagen allmählich eintrafen wurden die Einladungen an die Schweizer Kolonie versendet. Hier zeigt sich, dass es sich lohnt sich korrekt beim Regionalen Konsularcenter in Wien anzumelden und die Adresse immer zu aktualisieren, da sonst die Einladungen nicht oder nur verspätet eintreffen. Anbei erlaube ich mir anzumerken, dass eine rechtzeitige Anmeldung und Überweisung der Eintrittspreise dem OK viel Arbeit und Nerven erspart.

Eine Woche vor dem 1. August trafen sich die Mitglieder des OK und die freiwilligen Helfer, um den Stand der Dinge festzustellen, gute und weniger gute Erfahrungen der letzten Jahre auszutauschen und die Aufgaben zu verteilen.




Während die Mitarbeiter des Žofín Gartens die Tische deckten und die Getränke bereitstellten begannen die freiwilligen Helfer ab 13 Uhr damit, den Žofín Garten zu seinem Schweizer Fest zu dekorieren. Luftballone wurden aufgeblasen und verteilt, am Eingang und beim Rednerpult wurden je eine grosse Schweizer Fahne aufgehängt und ein Meer aus Kantonsfahnen schmückte jede sonst banale Ecke. Zur Ehre Botschafter Reglis wurde auf Höhe seines Tischs eine grosse Urner Fahne gehisst.

  
        





Bereits vor 17 Uhr versammelte sich eine stattliche Menge Gäste vor dem Eingang und drängte auf Einlass, welcher gemäss Programm erst ab 17 Uhr 30 vorgesehen war. Im Unterschied zum letzten Jahr erhielten die Gäste ein rotes Band um das Handgelenk, statt eines Stempelaufdrucks. Gleich beim Eingang strategisch postiert wurde auch der Verkauf des 1. August-Abzeichens, welches dieses Jahr in Form eines roten Herzes mit Schweizer Kreuz gestaltet war.










Um 18 Uhr 45 wandte sich Herr Botschafter André Regli in Tschechisch und Deutsch an die Versammelte Schweizer Gesellschaft. Diese Gelegenheit nutzte Botschafter Regli, um sich von der tschechischen Schweizergemeinde zu verabschieden, da er Tschechien verlässt und ab September den Botschafterposten in Brasilia übernimmt. Er rekapitulierte seine Zeit hier und resümierte, dass tschechische Politik für ihn auch nach dreieinhalb Jahren noch ein Buch mit sieben Siegeln sei.



Anschliessend wurde die Nationalfeieransprache von Bundespräsident Maurer ab Band abgespielt und die versammelten Gäste erhoben sich für die Schweizer und die tschechische Nationalhymnen. Danach strömten die ca. 230 Gäste an die Raclette-Stände von Swiss Cheese sowie die Grill- und Salatstände des Žofín Gartens. Zu musikalischer Untermalung genoss man die Speisen und unterhielt sich, während die Kinder unter Betreuung sich am Trampolin, beim Basteln oder auf der Rutschbahn vergnügten. 
Die Stimmung war zu jedem Zeitpunkt gut und mit den fortschreitenden Stunden wechselte man zum Dessert. Für erhellte Gesichter sorgte dann auch der kleine aber feine Lampionumzug der Kinder. 

 



Als Höhepunkt des Abends erwartete die Gäste das Feuerwerk auf der Moldau, welches passenderweise von Bedřich Smetanas «Moldau» begleitet wurde. Oder könnte man nicht auch sagen, dass das Feuerwerk Smetanas «Moldau» begleitete?




Im Anschluss begaben sich die meisten wieder zurück ins Festzelt, gönnten sich noch einen Kaffee und Botschafter Regli verabschiedete sich von Bekannten und Freunden. Während sich so die Festgemeinschaft Schritt für Schritt auflöste hiess es für die Helferinnen und Helfer, die am Nachmittag angebrachten Dekorationen wieder zu entfernen. Obschon um 22 Uhr 30 die Feier offiziell beendet war verblieb noch bis nach Mitternacht ein harter Kern.

Für mich war es nicht nur eine Erfahrung sondern eine Freude, an der 1. August-Feier im schönen Prag teilnehmen zu dürfen. Es war wahrlich ein gelungenes Fest mit gutem Essen, angenehmer Stimmung und tollem Wetter. In prägender Erinnerung werden mir aber die freundlichen und offenherzigen Menschen vom SwissClub und der Botschaft bleiben. Sollte es mir nicht vergönnt sein nächstes Jahr wieder mit euch zu feiern, so wünsche ich euch bereits jetzt alles Gute für das 1. August-Fest 2014 und hoffe auf ein Wiedersehen zu gegebener Zeit.
Geschrieben von
Arthur Alexejew


Mehr Fotos zur 1. August Feier sind in unserer Fotogalerie zu finden