Sonntag, 4. Januar 2015

Das Fondue und wie es gegessen wird

Die Schweizer haben einen Mangel an Bodenschätzen. Gesellschaftlich leiden sie nicht viel darunter, sie widmen sich einfach anderen Tätigkeiten. Dafür haben sie aber den Käse, viele und gute Käsesorten. Ein Produkt, aus dem Käse hergestellt wird, ist auch Fondue.



Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet geschmolzen, es ist die vergangene Form aus "fonder", auf deutsch schmelzen.

Viele Kochbücher erwähnen Fondue als eine Speise aus geschmolzenem Käse. Ich erlaube mir zu opponieren: Fondue ist ein Gesellschaftsereignis, man schmelzt die Gäste zusammen.

Tatsächlich wird dabei die erwähnte Speise gegessen. Die Kochbücher geben an, dass darin der Appenzeller Käse wichtig sei. Meiner Meinung nach sind hauptsächlich gute Freunde wichtig. Der Auswahl der eingeladenen Gäste soll gebührliche Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Fondue wird in einem Gefäss, genannt caquellon (kakelon), serviert, das auf einen Brenner gestellt wird. Die Flamme hält die Käseschmelze heiss. Alle Gäste erhalten je eine spezielle lange Gabel, darauf steckt man das zu Würfeln geschnittene Brot, und einer nach dem anderen taucht es in die siedende Käsemischung. Dabei wird erzählt, gescherzt, diverse witzige Geschichten, vor allem über die Anwesenden, werden zum Besten gegeben. 

Man muss aufpassen, dass man das Brot nicht von der Gabel in den Käse verliert. Wie die Mehrheit aller Gesellschaftsspiele, hat auch Fondue seine Regel: der Herr, der das Brot verloren hat, bezahlt eine Flasche Wein. Die Dame, der das gleiche passiert, muss dem neben ihr links sitzenden Herr einen Kuss geben. Ein gut erzogener Herr verliert einmal am Abend das Brot. Die Dame muss nicht besonders gut erzogen sein, um das Brot zu verlieren, aber diesbezüglich ist doch eine gewisse Zurückhaltung am Platz. Die Sitzordnung hängt von dieser Regel ab!

Ausser diverse Käsesorten beinhaltet das Fondue auch Weisswein und Kirsch.  Ich persönlich empfehle den würzigen Saint Saphorin aus den Hängen des Genfersees und selbstverständlich den Zuger Kirsch. Aus der heissen Speise verdampft der Alkohol schnell, so werden dazu die selben Flüssigkeiten auch getrunken. Die beiden Spiriti, sowohl der verdampfte als auch der getrunkene, helfen die Atmosphäre des Abends zu gestalten.

Ein Freund beschwerte sich einmal: „Nach dem Fondueabend musste ich eine Woche lang lüften.“ Auch diese Meinung möchte ich korrigieren: die Erinnerung an einen gelungenen Fondueabend soll bei den Gästen ewig halten, sie sollte nie verflüchtigen.

Geschrieben von
Jan Kriz 

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