Dienstag, 23. Juni 2015

Prager Bier Restaurants entdecken - Klášterní pivovar Strahov - 17.06.2015

Die erfreulich grosse Anzahl von 22 gut gelaunten und erwartungsfrohen "SwissClüblern" traf sich am Mittwoch, 17. Juni 2015, im kleineren der beiden Restaurants der "Klasterni pivovar Strahov" am Vorplatz des gleichnamigen Klosters. Gemäss den Geschichtsbüchern existiert diese Brauerei schon seit dem Jahre 1400. Es handelt sich um die höchstgelegene Bierproduktionsstätte in Prag und sie gehört mit einem Jahresausstoss von "nur" ca. 1000 hl zur Kategorie der sog. "Klein-Bierbrauereien".


An diesem Abend angesagt war eine weitere Etappe im Zyklus "Prager Bier-Restaurants entdecken", wo die Beteiligten diverse Biersorten der jeweiligen Brauerei verkosten und mittels einer Skala von 1-5 Sternen bewerten dürfen.
Dazu konnte sich wer wollte auch mit lokalen Spezialitäten verpflegen; ein Angebot, von dem die meisten Anwesenden Gebrauch machten. Auch die Speisen konnten alsdann nach dem gleichen Schema bewertet werden.


An der "Flüssigfront" standen 4 völlig unterschiedliche Sorten - 1. das besonders bittere "Red Ale", 2. das Weizenbier (psenicne), 3. das Halbdunkle (Jantar) sowie 4. das Dunkle (tmave) der Biermarke "Sv. Norbert" zur Auswahl. [NB: Für die mit dem Auto angereisten Teilnehmer stand selbstverständlich auch ein alkoholfreies Gebräu zur Verfügung, welches allerdings  "ausser Konkurrenz" bezgl. Bierwettbewerb lief!]


Auf der Speisekarte befanden sich nebst den in CZ "üblichen Verdächtigen" (Gulaš oder Svičkova mit Knödeln) u.a. auch diverse mit Bier zubereitete Gerichte. Jedenfalls war für jeden Geschmack etwas dabei.


Schon bald nach der gegenseitigen Begrüssung und der Platznahme an den massiven Holztischen, erfolgten die Bestellungen der Menüs sowie in rascher Frequenz diejenigen der Tranksamen. Eifrig wurden die Bewertungsbögen ausgefüllt und insbesondere über die unterschiedlichen  Geschmacksrichtungen der Biere gefachsimpelt wie an einem Bier-Seminar!

Leider wurden diese Diskussionen mit zunehmendem Geräuschpegel aufgrund steigender Besucherfrequenz etwas beschwerlich, aber das Testergebnis wurde dadurch bestimmt nicht verfälscht. Als "Oase der Stille" kann ich allerdings dieses Lokal nicht vorbehaltlos empfehlen, aber dies war ja auch nicht zu erwarten und Ziel des Anlasses.


 

Zu fortgeschrittener Stunde überraschte unser Präsident Georg in seiner kurzen Ansprache die Teilnehmer mit der überaus erfreulichen Mitteilung, dass unser Mitglied Eva uns allen zum "Dessert" noch ein Glas Champagner spendiere. An dieser Stelle nochmals ein Dankeschön an Eva für diese grosszügige Geste!

 

 


Nachdem alle Beteiligten ihr "Testprogramm" absolviert und ihre Wertungen der Organisatorin abgegeben hatten, machten sich die ersten Teilnehmer-/innen, darunter der Schreibende mit seinem "Chauffeur", auf den Heimweg. Es entzieht sich deshalb der Kenntnis des Chronisten, wie lange es "der harte Kern" noch in den klösterlichen Gemäuern ausgehalten hat!

Die Auswertung der Bewertungsbögen hat folgendes Ergebnis gezeitigt:

 

 

BIERE
1. Das Dunkle (tmavé, nefiltrované) "Sv. Norbert" 14% Gärwert    
wurde gesamthaft 11 mal getestet, davon wurden 5 Sterne von 4 Testern vergeben. 
Endwertung: 4,3 Sterne

2. Das Halbdunkle (Jantar, polotmavé, nefiltrované) "Sv. Norbert" 13% Gärwert                      
wurde gesamthaft 7 mal getestet, davon wurden 5 Sterne jeweils von 2 Testern vergeben 
Endwertung: 3,8 Sterne

3. Das Weizenbier (pšeničné pivo, nefiltrované), 13% Gärwert                 
wurde gesamthaft 8 mal getestet, davon wurden 5 Sterne von 1 Tester vergeben
Endwertung: 3,1 Sterne

4. Das Summer "Red Ale", 11% Gärwert          
wurde gesamthaft 8 mal getestet, davon wurden 5 Sterne von 0 Testern vergeben
Endwertung: 2,9 Sterne

ESSEN
Das am meisten gegessene Gericht, insgesamt 6 mal an diesem Abend, war das Gulaš mit Knödeln und bekam eine Durchschnittswertung von 3,3 Sternen, die Desserts mit Bier Eiscreme schmeckten auch gut, bekamen eine Wertung von durchschnittlich 4 Sternen

 

Ich möchte es nicht versäumen, ich glaube im Namen aller Anwesenden, Daniela meinen herzlichen Dank für die Organisation dieses feucht-fröhlichen Anlasses auszusprechen! Ich bin bereits jetzt gespannt, welche Prager Brauerei sie uns als nächste näherbringen wird?

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis für zukünftige Besucher dieses Restaurants:
Damit auch keinerlei Gefahr des übermässigen Bierkonsums besteht, werden von den Betreibern nicht die in CZ üblichen 0.5 lt. Bierhumpen ausgeschenkt, sondern lediglich solche mit 0.4 lt. Inhalt sowie die besonders "homöopathische" Dosis von 0.25 lt.! Hingegen sind deren Preise fast schon unanständig hoch, wobei interessanterweise die kleinere Masseinheit leicht günstiger ist als die grössere. Dies als Geheimtipp für "Sparfüchse"!

Geschrieben von
Robert Mesmer

Weitere Fotos findet man wie immer in unserer Fotogalerie…


Gesamthaft also würden wir, die Jury vom SwissClub CZ, dem Restaurant "Klášterní pivovar Strahov" mit eigener Brauerei eine Wertung von 3,5 Sternen für Speis und Trank geben, runden da etwas ab, wegen dem lauten Ambiente, also:  3 Sterne. 


Klosterbrauerei Restaurant
"Klášterní pivovar Strahov"
Strahovské nádvoří 301
Praha 1 Kleinseite, Strahov Klosterhof
Webseite: www.klasterni-pivovar.cz
Auf Google Maps finden…


Montag, 1. Juni 2015

Wie man eine tschechische Mohnmühle in der Schweiz findet



Die Mohnmühle

In den ersten Wochen meines Aufenthaltes in der Schweiz, ausser Arbeit, machte ich mich auch mit anderen Vorteilen der westlichen Welt bekannt. Ich kam nicht aus dem Staunen. 

Ich erinnere mich als ich erstmals in das Kaufhaus Globus in Basel kam, in die Käseabteilung. Ganz stillschweigend bewunderte ich das Sortiment. Sie hatten Käse aus aller Welt, ich glaube sogar aus dem Mars. Es kam mir mein Vater in Erinnerung, der vor allem den Roquefort liebte. Falls in Prag der Roquefort zufällig zu kaufen war, hat ihm meine Mutter ein Stückchen gekauft. Er war so teuer, dass es nur für den Vater bestimmt war, wir anderen assen den Niva. In Globus ging ich denn an die Theke und fragte neugierig: „Haben Sie auch Roquefort?“ Die Verkäuferin antwortete: „Welchen? Es gibt achtundvierzig verschiedene Sorten vom Roquefort, aber wir führen davon nur deren zwölf.“ Dies liess ich kommentarlos, aber meinem Vater nach Prag schrieb ich es.

Langsam stellte ich fest, dass man wirklich alles kaufen kann, was einem in Sinn kommt. Viel später, meine Frau, eine Schweizerin, liebte einige Tschechische Spezialitäten, wie z.B. die Semmelknödel, die Marillenknödel oder die Nudeln mit Mohn. Ich unterliess keine Gelegenheit um sie ihr zu kochen.


Rezept: Oma´s Mohnnudeln von Kochbar.de
Den Mohn kauften wir in Deutschland, aber wie soll ich ihn mahlen? Ohne eine Mohnmühle geht es wirklich nicht! Ich fragte in allen möglichen Haushaltgeschäften, aber überall schüttelten sie den Kopf. Sogar, als ich das Wort Mohn aussprach, kreuzigten sie sich und sagten, damit wollen sie nichts zu tun haben. Ihre Vorstellung Mohn = Opium war zu fix. Ein Kollege riet mir einmal: „Probiere es mal bei Strahm in Kleinbasel.“ 

Bei der nächsten Fahrt nach Basel hielt ich bei Strahm an. Ich peilte sofort eine ältere, sympathische Verkäuferin an. (Damals teilte ich die Damen noch auf die älteren und die jüngeren. Heute treffe ich nur die jüngeren, aber es nützt nichts. Weder ihnen, noch mir.) Sie lächelte mir entgegen, also fing ich scheu an: „Ich habe so eine ungewöhnliche, komische Idee die Mohnsamen zu mahlen.“ 



Sie reagierte sofort: „Dann brauchen Sie eine Mohnmühle, nicht wahr?“ „Sicher:“ stimmte ich ihr zu, überrascht, dass sie kein bisschen überrascht war. „Elektrisch oder von Hand?“ „Ist gleich, aber von Hand würde genügen. Ich mahle doch keine grossen Mengen.“ Sie sagte „Ein Moment!“ und stieg auf eine lange Leiter. Vom obersten Regal ganz links nahm sie eine wunderschöne Mohnmühle. „Vieviel kostet sie?“ Sie sagte den Preis und ich bezahlte. „Aber viel Mohnmühlen verkaufen Sie hier nicht, oder? Wie lange haben Sie sie hier schon?“ wurde ich neugierig. „Als ich vor achtunddreissig Jahren hierher kam, lag sie schon da“ sagte sie mir lächelnd. Und warum hüten Sie sie hier so lange?“ „Na für Leute wie Sie sind, die plötzlich etwas unerwartet  brauchen.“ Auch das ist die Schweiz!

Die Mühle diente uns einwandfrei die ganzen zweiundzwanzig Jahre unserer Ehe. Bei der Scheidung wurde sie ihr zugesprochen. Ich hoffe, es geht ihr gut, sie hätte es verdient. Die Mohnmühle nämlich!


Geschrieben von
Jan Kriz