Mittwoch, 18. Oktober 2017

Kunstschätze im Sternberg-Palast in Prag

Welch interessante Events möglich sind, wenn ein Verein aussergewöhnliche Persönlichkeiten zu seinen Mitgliedern zählen darf, bewies die Führung von Marius Winzeler, Direktors der Sammlung Alter Kunst der Nationalgalerie in Prag und Mitglied des SwissClub CZ, durch das Sternberg-Palais.
Diese Schatzkammer liegt zwar direkt beim Hradčanské námestí, ist allerdings nur durch eine etwas versteckte Seitengasse links neben dem Erzbischöflichen Palais zu erreichen und hat damit einen gewissen Standortnachteil gegenüber den vielen anderen Sehenwürdigkeiten rund um die Prager Burg, wie der „Hausherr“ unumwunden zugibt.
Insgesamt 18 kunstinteressierte Vereinsmitglieder und Angehörige/Gäste beteiligten sich am 26.09.2017 an dieser Veranstaltung. Nachdem auch der Schreibende samt familiärer Begleitung den Eingang zum Museum erfolgreich passiert hatte – er hatte trotz intensivem Kraftaufwand vergeblich versucht, das massive schmiedeeiserne „Hauptportal“ anstelle der Eingangstüre für Museumsbesucher zu öffnen – konnte Marius die erwartungsfrohe Gästeschar zum ca. 90-minütigen Rundgang durch sein „Refugiums“ begrüssen.
In seinen einleitenden Worten vermittelte Marius uns wissenswerte Informationen über die Geschichte des prächtigen Palais, über dessen ehemaligen Erbauer und „Hausherrn“ Wenzel Adalbert Graf von Sternberg (1674(?)-1708) sowie über die am 05.02.1796 durch die „Gesellschaft patriotischer Freunde der Kunst“ gegründete Gemäldegalerie, welche nach dem Kauf des Palais Sternberg durch diesen Verein vom Cernin-Palais dorthin umgezogen wurde.

1918 wurde die Sammlung – übrigens nach dem Louvre die zweite öffentliche Kunstsammlung in Europa - an den neu gegründeten Tschechoslowakischen Staat überführt und zur „Nationalgalerie“ erklärt, von welcher der Palais Sternberg, zusammen mit dem Schwarzenberg-Palais, heutzutage die „Galerie der Alten Meister“ beherbergt.
Unser Weg führte uns zuerst in den Palastgarten, in welchem sich sehenswerte Skulpturen befinden und von dem aus die schöne Aussenfassade des Palastes besonders gut betrachtet werden kann. Der lauschige Garten ist übrigens auch für Nicht-Museumsbesucher zugänglich und eignet sich m. E. bestens für einen Moment der Entschleunigung und/oder zur ungestörten Lektüre eines Buches.
Danach ging es kurz in den quadratischen Innenhof, in dem uns Marius auf die architektonische Besonderheit der neckischen runden Balkone in allen vier Ecken der 2. Etage hinwies, welche die sonst so „strenge“ Architektur dieses Bauwerks so erfrischend auflockert. Obwohl es sich um eines der bedeutendsten Werke der weltlichen Architektur des bevorstehenden Hochbarocks in Böhmen handelt, sind die Projektanten des Originalprojektes (ab 1698) und des letztlich fertig gestellten Projektes nicht genau geklärt. Vermutlich waren aber so bekannte Architekten wie Santini-Aichl, Alliprandi und Dientzenhofer daran beteiligt.
Dem einsetzenden Regen entfliehend, begab sich die Gruppe alsdann in den „Ovalen Salon“, wo wir die ersten Gemälde aus früheren Jahrhunderten betrachten konnten, denen im Laufe des Abends noch unzählige mehr folgen sollten! Das Erdgeschoss ist primär der deutschen und österreichischen Kunst im 16.-18. Jahrhundert gewidmet. U. a. befinden sich dort Werke von Cranach d. Ä. und Balding.
Als nächstes führte uns der Gastgeber in einen eher unscheinbaren Saal, in dem aber das wertvollste Gemälde der gesamten Sammlung ausgestellt ist. Es handelt sich um „Das Rosenkranzfest“, welches Albrecht Dürer im Jahre 1506 in Venedig gemalt hat und welches zu den bekanntesten Bildern der europäischen Malerei gezählt wird. Mit diesem grossflächigen Meisterwerk wollte der Deutsche den kritischen venezianischen Malern beweisen, dass er ihnen mindestens ebenbürtig war; ein Vorhaben, das ihm eindrucksvoll gelang!

Das Betrachten der Bilder durch den Laien ist zwar an sich schon interessant; so richtig zum Leben erweckt werden die Kunstwerke aber erst, wenn ein herausragender Fachmann, wie Marius einer ist, einem Hintergründe und Bedeutung der einzelnen Kunstwerke im Detail erläutert und man sich in die jeweilige Zeitepoche zurückversetzt fühlt.
Über die imposante Säulentreppe führte uns unser Guide alsdann in die 1. Etage. Dort konnte man nebst Erinnerungsstücken aus dem antiken Griechenland und Rom u.a. auch eine berühmte Kollektion italienischer Kunst des 14.-16. Jahrhunderts bewundern. Es handelt sich dabei um kleine Hausaltare. Marius bezeichnete diese Kunstwerke als einen besonderen Schatz der Ausstellung.
Mit besonderer Freude erfüllte uns Schweizer, dass sich auch ein Landsmann im Museum verewigen konnte. Die Deckenmalereien von Johann Rudolph Byss sind eine wahre Augenweide.

Als Abschluss unseres Rundgangs begaben wir uns schliesslich auch noch in die 2. Etage. Dort erwartete uns ein Feuerwerk an sehenswerten Gemälden italienischer, spanischer, französischer und niederländischer Meister des 16.-18. Jahrhunderts, u. a. Tintoretto, El Greco, Goya, Rubens, van Dyck und Rembrandt. Von Letzterem handelt es sich im Übrigen um das einzige Gemälde in Tschechien („Gelehrter im Studierzimmer“, gemalt 1634).

Ich glaube, mein Eindruck, dass ich nicht der einzige begeisterte Teilnehmer dieser Veranstaltung war, täuscht mich nicht! All jenen, welche nicht dabei sein konnten, sei der Besuch dieses kulturellen Leckerbissens wärmstens empfohlen! Und wem diese Empfehlung noch nicht genügt, kann gerne auch die vielen positiven Rezensionen, z. B. auf tripadvisor.de, lesen!

Ich danke Marius, bestimmt auch im Namen sämtlicher Anwesenden, sehr herzlich für diesen tollen Kunst-Abend und hoffe sehr, dass wir die Gelegenheit erhalten werden, auch seine übrigen „Schätze“ besuchen zu können!

Ausserdem gratuliere ich unserem Präsidenten Hans Peter für die Idee und die erfolgreiche Organisation dieses gelungenen Anlasses.

Berichterstatter: Röby Mesmer
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