Freitag, 3. November 2017

Bekanntes und Unbekanntes über Ägypten

Ja klar, die weltbekannten Pyramiden von Gizeh hat unser Vereinsmitglied Stefan anlässlich seines diesjährigen Ägypten-Aufenthaltes auch besucht und fotografiert. Aber ansonsten primär solche Orte, die in keinem Hochglanz-Reiseführer zu finden sind oder höchstens - wie im Fall des Armenviertels von Kairo - mit dem Hinweis versehen, diese nach Möglichkeit zu meiden!


Nicht zuletzt aufgrund dieser Ausgangslage war Stefans Dia-Vortrag am 16.09.2017 für sein Publikum eine spannende Reise in unbekannte Sphären dieses Landes am Nil.

Als Gast eines österreichischen Bekannten, dem Leiter des später noch etwas detaillierter beschriebenen Grossprojektes, startete der Referent sein Abenteuer „Ägypten“ in dessen Hauptstadt Kairo.

Jeweils schon morgens um 08:00h betrug die Temperatur 38°C und stieg im Verlaufe des Tages noch auf deutlich über 40°C an. Immerhin ein kleiner Trost, dass es sich um eine sehr trockene Hitze handelte. Diese hielt aber Stefan keineswegs davon ab, die Hauptstadt ausgiebig zu erkunden. Seine Sightseeing-Touren führten ihn u. a.:

  • zum sogenannten Nilometer, ein Höhenmesser für den Pegelstand des Nils, der zur Prognose der Nilschwemme dient.
  • zum farbenprächtigen Obstmarkt, dessen „Kunstwerke“ täglich um 05:30h auf- und um 22:00h wieder abgebaut werden! (Anm. des Redaktors: Dort beklagt sich offenbar niemand über zu lange Arbeitszeiten!)
  • in ein Armenviertel von Kairo, welches durch Häuser (exakter wohl der Begriff: Behausungen) ohne Fenster, staubige Strassen mit riesigen Müllbergen und verstopft mit Fahrzeugen zu deren Abtransport, sowie durch einen penetranten Gestank gekennzeichnet ist. Die Mülltrennung geschieht in den Wohnungen, nicht selten durch minderjährige Kinder, die Geld für den Lebensunterhalt ihrer Familie mitverdienen müssen. Eine unfassbare Armut, aber leider Realität!
  • zur Zitadelle von Saladin, eine der wenigen erhaltenen Befestigungsanlagen Kairos und gleichzeitig eine ihrer markantesten Sehenswürdigkeiten (seit 1979 UNESCO-Weltkulturerbe).
  • zur Mohammad-Ali-Moschee (auch Alabaster-Moschee genannt), erbaut in sechzig Jahren (1824-1884) im Auftrag des gleichnamigen Paschas (und nicht etwa des ehemaligen Box-Weltmeisters 😊), der bereits 1849 verstarb, also viele Jahre vor der Fertigstellung des Bauwerks. Die beiden Minarette sind 82m und die grosse Kuppel 52m hoch. Der Innenraum hat alabasterverkleidete Wände und der Boden ist mit einem dicken roten Teppich belegt; leider nicht überall „bündig“, weshalb ihn Stefan als „Stolperfalle erster Güte“ in Erinnerung behalten hat!
  • zur Koptisch-Orthodoxen Kirche der Hl. Jungfrau Maria, besser bekannt als „Hängende Kirche“, eine der ältesten Kirchen Ägyptens. Ihr Kirchenschiff thront über dem ehemaligen Südwesttor der Römischen Zitadelle in Alt-Kairo und ist nur über eine Treppe mit 29 Stufen zu erreichen.


Nach seinem Aufenthalt in Kairo machte sich Stefan mit seinem Begleiter auf die ca. 480 km lange Fahrt zum eigentlichen Hauptziel seiner Ägyptenreise im Landesinnern. Aber bereits wenige Kilometer ausserhalb von Kairo wurde diese nochmals unterbrochen, da mit den weltberühmten Pyramiden (Cheops, Chephren und Mykerinos) sowie der Sphinx von Gizeh weiteres UNESCO-Weltkulturerbe (seit 1979) in sein Blickfeld geriet. Unser Referent vermittelte uns viel Wissenswertes über den Bau und den geschichtlichen Hintergrund dieser einmaligen Bauwerke.

Nach deren Besichtigung und fotografischer Verewigung begannen für unseren Weltenbummler die ungeahnten Strapazen einer Autofahrt durch das ägyptische Niemandsland. Als Stichworte sollen hierzu genügen: Schotterpisten, Sandsturm, unsägliche Hitze und Durst!

Aber bekanntlich hat jedes Leiden auch einmal ein Ende und so erreichte schliesslich auch unser Reiseleiter sein Ziel, eine riesige Kuhfarm mitten in der Wüste. Dieses Grossprojekt umfasst aktuell ca. 8000, im Endausbau dann rund 17000 Kühe, die dort im Freien und in riesigen Unterständen gehalten werden. Täglich 2x werden die Tiere in ein sogenanntes Melk-Karussell getrieben und während eines rund 40-minütigen Rundlaufes gemolken.


Manch eine(r) wird sich fragen: Warum nimmt man eigentlich all die logistischen Probleme (Transport der Kühe und der Milch, Bau der Stallungen und Anlagen, Unterbringung und Verpflegung des Personals, etc.) so weit entfernt von jeglicher Zivilisation in Kauf, anstatt dieses Projekt in einer Grossstadt anzusiedeln?
Die Antwort ist ebenso simpel wie einleuchtend: Aufgrund der viel zu unsicheren hygienischen Verhältnisse und der damit verbundenen Gefahr von Erkrankungen der Tiere mit all ihren potentiellen negativen Folgen auch für die Bevölkerung.

Ethisch erscheint dieses Projekt nicht nur dem Referenten, sondern auch allen Anwesenden ziemlich „grenzwertig“, da der mit der Massenhaltung und dem Melkvorgang verbundene Stress u. a. zu einer massiven Verkürzung der durchschnittlichen Lebenserwartung dieser Kühe führt.

Zum Schluss noch einige wissenswerte Zahlen und Fakten zum Thema Ägypten:

  • Der Nil ist, je nach Datenquelle, mit ca. 6800 km der (zweit-)längste Fluss der Welt.
  • Kairo ist mit über 18 Mio. (Stadtkern & städtische Gebiete) die grösste Stadt Afrikas.
  • Die Pyramiden von Gizeh (Cheops, Chephren u. Mykerinos) wurden erbaut ca. 2620-2500 v. Chr.
  • Häuser haben keinen Verputz!
  • ca. 70% der Strassen sind nicht geteert!

Lieber Stefan, Du hast uns faszinierende Einblicke in eine den meisten von uns fremde Welt geboten.
Dafür gebührt Dir unser allerbester Dank, verbunden mit der Hoffnung, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft weitere interessante Destinationen, die Du auf Deinen Exkursionen bereist hast, kennenlernen dürfen!

(Anm. des Redaktors: Dannzumal dürfen dann gerne auch all jene SC-Mitglieder erscheinen, die dieses Mal, aus welchen Gründen auch immer, den Leckerbissen leider verpasst haben!)

Berichterstatter: Röby

Weitere Fotos sind in der Fotogallerie zu finden.

1 Kommentar:

  1. Herzlichen Dank, Röby, für Deinen ausführlichen Bericht über diesen sehr interessanten Vortrag.
    Und natürlich einen noch viel grösseren und herzlicheren Dank an Stefan für den eindrücklichen Reisebericht!!!

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